5. Mai 2020 – Mein Horst

Meinen Horst habe ich als junger Storch gebaut und seitdem steuere ich ihn jedes Jahr aufs Neue an. Manchmal sitzt bei meiner Ankunft bereits ein anderer Storch darin. Dass ich meinen Horst zurück erobern will, ist klar, oder? Da können dann auch schon mal die Fetzen fliegen. Wenn es mir gelungen ist, den Konkurrenten zu verjagen, fange ich an, das Nest auszubessern und mit frischem Heu auszupolstern. Und weil ich das jedes Jahr mache, wird mein Horst immer schwerer. Nach vielen Jahren kann so ein Storchennest sogar mehr als eine Tonne wiegen! So schwer wie ein Auto!
Wenn der Horst dann soweit vorbereitet ist, warte ich auf das erstbeste Storchenweibchen. Denn im Gegensatz zu meinem Horst bin ich den Frauen nicht treu. Ein Jahr lang gehen wir durch dick und dünn, brüten gemeinsam und ziehen den Nachwuchs groß, dann trennen sich unsere Wege wieder. Und im nächsten Jahr gilt dann wieder: Der Horst soll der Gleiche sein, wer die Partnerin ist, ist eigentlich wurscht.

© NABU/Marc Scharping